Farbenfrohes ruruHaus: Erste visuelle Spuren der documenta fifteen

Der ein oder andere von euch hat es schon gesehen: Das farbenfrohe, großflächige Mural am ruruHaus, dem ersten Spielort der documenta fifteen in der Innenstadt von Kassel. Gestaltet wurde es vom Kasseler Graffiti- und Streetart-Projekt KolorCubes. Am 15. Dezember 2020 präsentierte die documenta das gemeinsam mit Studierenden entwickelte visuelle Erscheinungsbild der nächsten Weltkunstausstellung und macht damit gleich Lust auf mehr.

Habt ihr die Hände gleich erkannt? Diese und die in ihren Umrissen visualisierten Seile als Kernelemente des Erscheinungsbilds stehen für eine unbegrenzte Gemeinschaft, die eine nachhaltige Zukunftsstrategie eröffnet. Die Farbpalette des Designs ist übrigens von natürlichen Textilfarben inspiriert, wie sie seit Generationen bei der Herstellung traditioneller textiler Produkte in Indonesien verwendet werden. Die eingesetzten Farben stammen sogar größtenteils aus dem Osten Indonesiens, wo lumbung noch heute aktiv praktiziert wird.

Doch was steckt eigentlich hinter dem Konzept „Lumbung“?

lumbung ist eine aus den ländlichen Gebieten Indonesiens stammende Praxis, bei der die überschüssige Ernte zum zukünftigen Wohl der Gemeinschaft in einer gemeinsamen Reisscheune gelagert und nach kollektiv bestimmten Mechanismen verteilt wird. Indem die documenta fifteen lumbung nicht nur als Thema, sondern vielmehr als zugrundeliegende Praxis begreift, zielt sie auf neue Wege, internationale künstlerische Praktiken mit einem gemeinschaftlich ausgerichteten Modell der Ressourcennutzung – ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen – nachhaltig zu machen. Grundsätze wie Kollektivität und gemeinschaftliches Arbeiten, Ressourcenaufbau und gerechte Verteilung stehen dabei im Vordergrund.

Wer sind ruangrupa?

Ruangrupa ist ein Kollektiv aus Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen aus dem indonesischen Jakarta und wurde von der internationalen Findungskommission einstimmig zur Künstlerischen Leitung der documenta 15 ausgewählt und vom Aufsichtsrat ernannt. Das Kollektiv gründete sich im Jahr 2000 in Jakarta, Indonesien. Dort realisieren sie Ausstellungen, Festivals, Publikationen und Rundfunkformate. Unter anderem waren sie beteiligt an Ausstellungen wie der Gwangju Biennale (2002 und 2018), der Istanbul Biennale (2005), der Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (Brisbane, 2012), der Singapore Biennale (2011), der São Paulo Biennale (2014), der Aichi Triennale (Nagoya, 2016) und Cosmopolis im Centre Pompidou (Paris, 2017). Im Jahr 2016 kuratierte ruangrupa TRANSaction: Sonsbeek 2016 in Arnheim, Niederlande. Im Jahr 2018 gründeten die Akteure GUDSKUL, ein Bildungs- und Vernetzungsprojekt für Kreative, das auf kooperativer Arbeit basiert. Bei der documenta 14 war ruangrupa mit ihrem Internetradio als Partner des dezentralen Radioprojekts Every Time a Ear di Soun beteiligt, das vom 8. April bis zum 17. September 2017 acht Radiosender weltweit vernetzte.

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